Change-Kommunikation: Kommunikationsplan für die Geschäftsleitung

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Übernahme, Restrukturierung oder neue Strategie: ein Kommunikationsplan für sechs Wochen und die acht Fragen, die Mitarbeitende zuerst stellen, mit klarer Rollenverteilung zwischen Geschäftsleitung, Führungskräften, HR und Kommunikation.

Change-Kommunikation ist die geplante Abfolge von Botschaften, mit der die Geschäftsleitung eine Veränderung intern erklärt: warum sie kommt, was sie für die Mitarbeitenden bedeutet und was als Nächstes passiert. Sie wirkt, wenn die Geschäftsleitung das Warum selbst erklärt, die direkten Führungskräfte die persönlichen Folgen besprechen und ein fester Plan über mehrere Wochen alle Länder, Standorte und Kanäle zusammenhält.

Das Wichtigste in Kürze

Monatelang bereitet die Geschäftsleitung eine Übernahme, eine Restrukturierung oder eine neue Strategie vor. Die Belegschaft erfährt es an einem einzigen Tag. Was an diesem Tag gesagt wird, und vor allem in den Wochen danach, entscheidet mit, ob die Leute die Veränderung mittragen oder einfach aussitzen.

Geschrieben ist dieser Leitfaden für CEOs, HR-Verantwortliche und Kommunikationsleitungen in Unternehmen mit Standorten in mehreren Ländern. Sie finden darin einen Kommunikationsplan für sechs Wochen und die acht Fragen, die fast immer zuerst kommen. Bei jeder steht, wer sie beantwortet.

Was ist Change-Kommunikation, und worin unterscheidet sie sich von interner Kommunikation?

Interne Kommunikation ist der laufende Betrieb: Intranet, Newsletter, Townhalls und die tägliche Mitarbeiterkommunikation. Change-Kommunikation ist ein zeitlich begrenztes Programm innerhalb dieses Betriebs. Sie hat einen Anlass, ein Ziel und ein Ende.

Der Unterschied liegt beim Publikum. Routinethemen liest man, wenn gerade Zeit ist. Bei einer Veränderung liest man zwischen den Zeilen. Wo eine Lücke bleibt, füllen Vermutungen sie, und die sind schneller unterwegs als jede offizielle Botschaft.

Gute Veränderungskommunikation beantwortet darum drei Fragen, und zwar in dieser Reihenfolge: Warum verändern wir uns? Was bedeutet das für mich? Was passiert als Nächstes, und wann erfahre ich mehr?

Warum lohnt sich ein geplantes Vorgehen?

Weil Change Management Kommunikation mit dem Projekterfolg zusammenhängt. Prosci hat für seine Forschung zu Best Practices im Change Management mehr als 2600 Change-Verantwortliche befragt. Von den Befragten mit exzellentem Change Management erreichten oder übertrafen 88 Prozent ihre Projektziele, bei schwachem Change Management waren es 13 Prozent. Prosci beschreibt das als rund siebenmal höhere Wahrscheinlichkeit, die Ziele zu erreichen.

Bei Übernahmen kommt die Kultur hinzu. Laut einem McKinsey-Beitrag von 2019 bezeichnen rund 95 Prozent der Führungskräfte die kulturelle Passung als entscheidend für den Integrationserfolg, und 25 Prozent nennen fehlenden kulturellen Zusammenhalt und mangelnde Abstimmung als Hauptgrund, wenn Integrationen scheitern. Kultur lässt sich nicht per Memo verschicken. Sie entsteht in den Gesprächen nach der Ankündigung.

Wer sollte welche Botschaft überbringen?

Die wichtigste Frage im Plan ist nicht der Kanal. Es ist der Absender. Prosci beschreibt ein klares Muster: Botschaften zum Unternehmen und zum Warum wollen Mitarbeitende von der verantwortlichen Person an der Spitze hören, in der Regel von einem Mitglied des oberen Managements oder der Geschäftsleitung. Was die Veränderung für die eigene Arbeit bedeutet, wollen sie von ihrer direkten Führungskraft hören. Vom Projektteam wollen sie diese Botschaften nicht.

Daraus ergibt sich die Arbeitsteilung. Die Geschäftsleitung erklärt Anlass, Ziel und Richtung. Die Führungskräfte übersetzen das in den Alltag ihres Teams. HR und Kommunikation liefern die Werkzeuge, beantworten Detailfragen und halten den Plan zusammen.

Gallup zeigt, warum die zweite Ebene so viel Gewicht hat: Nach Gallup-Schätzungen erklären Führungskräfte mindestens 70 Prozent der Varianz im Engagement zwischen Geschäftseinheiten. Wer die Führungskräfte erst zusammen mit allen anderen informiert, verschenkt den wirksamsten Kanal im ganzen Unternehmen.

Welche 8 Fragen stellen Mitarbeitende zuerst, und wer beantwortet sie?

Diese Fragen tauchen bei fast jeder Veränderung auf, oft schon in der ersten Stunde. Halten Sie die Antworten vor der Ankündigung schriftlich fest. Auch dann, wenn die ehrliche Antwort lautet: Das wissen wir noch nicht, und bis zu einem bestimmten Datum sagen wir es Ihnen.

  1. Behalte ich meine Stelle? Das Grundsätzliche beantwortet die Geschäftsleitung, das Persönliche die direkte Führungskraft. Ist noch nichts entschieden, sagen Sie das offen und nennen den Tag, an dem entschieden wird.
  2. Ändern sich Vertrag, Lohn oder Arbeitsort? Hier ist HR gefragt, am besten mit einer schriftlichen Übersicht pro Land, denn Arbeitsrecht und Sozialpartnerschaft sehen in Polen anders aus als in der Schweiz.
  3. Wer ist ab jetzt meine Führungskraft? Das sagt die bisherige direkte Führungskraft, und das Organigramm folgt, sobald es feststeht.
  4. Warum passiert das, und warum jetzt? Das ist Sache des CEO, in eigenen Worten und mit dem geschäftlichen Grund, nicht bloss mit dem Ziel.
  5. Was ändert sich an meiner täglichen Arbeit? Darüber spricht die direkte Führungskraft im Team, vorbereitet durch ein Briefing der Geschäftsleitung.
  6. Was passiert mit unserer Kultur, unserem Namen, unserer Marke? Die Geschäftsleitung, und zwar mit einer klaren Aussage dazu, was bleibt und was noch offen ist.
  7. Was sage ich Kunden und Partnern? Die Kommunikation gibt allen mit Kundenkontakt eine kurze, freigegebene Sprachregelung mit.
  8. Wo kann ich Fragen stellen, und wann erfahre ich mehr? Kommunikation und HR richten einen festen Fragekanal ein und veröffentlichen den Termin des nächsten Updates.

Wie sieht ein Kommunikationsplan für die ersten sechs Wochen aus?

Der Plan unten geht davon aus, dass die Ankündigung am Montag der ersten Woche erfolgt. Er ist bewusst schlicht: pro Schritt eine Zielgruppe, eine Kernbotschaft, ein Kanal und eine verantwortliche Person. Hat das Unternehmen mehrere Länder, wird jeder Schritt pro Land und Sprache ausgerollt, wenn möglich am selben Tag.

  1. Vorbereitung, vor der Ankündigung. Zielgruppe: die Geschäftsleitung, die Länderverantwortlichen und, wo es Informations- und Konsultationspflichten gibt, die Arbeitnehmervertretungen. Botschaft: was schon entschieden ist, was noch offen ist und wer am Tag der Ankündigung was sagt. Kanal: ein persönliches Briefing, dazu Fragen und Antworten auf Papier und eine Sprachregelung. Verantwortlich: CEO mit HR-Leitung und Kommunikationsleitung.
  2. Woche 1, Tag der Ankündigung. Zielgruppe: alle Mitarbeitenden, wobei die Führungskräfte es ein bis zwei Stunden früher erfahren. Botschaft: was passiert und warum, was es heute schon bedeutet und wann das nächste Update kommt. Kanal: Townhall oder Livestream, gleich danach eine E-Mail und ein Intranetartikel in allen Unternehmenssprachen. Verantwortlich: CEO.
  3. Woche 1, die Tage danach. Zielgruppe: jedes Team. Botschaft: was das Ganze für genau dieses Team heisst, und die ersten Fragen gleich dazu. Kanal: Teammeeting und Einzelgespräche. Verantwortlich: direkte Führungskräfte, mit Gesprächsleitfaden.
  4. Woche 2, Fragen beantworten. Zielgruppe: alle Mitarbeitenden. Botschaft: die häufigsten Fragen mit ehrlichen Antworten, auch dort, wo noch etwas offen ist. Kanal: eine FAQ im Intranet, die laufend nachgeführt wird, ein Fragekanal und kurze Updates. Verantwortlich: Kommunikation mit HR.
  5. Woche 3, Standorte besuchen. Zielgruppe: Standorte und Länder, die am stärksten betroffen sind. Botschaft: die gleiche Kernbotschaft, aber entlang der Fragen, die man vor Ort tatsächlich stellt. Kanal: Besuche und Dialogrunden mit Mitgliedern der Geschäftsleitung. Verantwortlich: Geschäftsleitung, organisiert durch die Kommunikation.
  6. Woche 4, Stimmung messen. Zielgruppe: die Führungskräfte und eine Stichprobe aus der Belegschaft. Botschaft: Was ist angekommen, was nicht, und wo entstehen Gerüchte? Kanal: eine kurze Pulsbefragung und das, was die Führungskräfte zurückmelden. Verantwortlich: HR.
  7. Woche 5, nachschärfen. Zielgruppe: alle Mitarbeitenden. Botschaft: was bei uns angekommen ist und was wir deshalb ändern. Kanal: ein Update der Geschäftsleitung im Intranet, anschliessend Runden in den Teams. Verantwortlich: CEO mit Kommunikation.
  8. Woche 6, Übergang in den Regelbetrieb. Zielgruppe: alle Mitarbeitenden. Botschaft: erste Ergebnisse, die nächsten Meilensteine und wie es mit der Kommunikation weitergeht. Kanal: Townhall oder Video, danach die regelmässige interne Kommunikation. Verantwortlich: Geschäftsleitung.

Es kommt auf den Takt an, nicht auf Perfektion. Ein angekündigtes Update, das pünktlich kommt, schafft mehr Vertrauen als die vollständige Antwort drei Wochen zu spät.

Wie bereitet man Führungskräfte auf die Gespräche vor?

Führungskräfte stehen in einer Veränderung oft selbst unter Druck. Sie sollen Sicherheit geben und wissen kaum mehr als ihr Team. Ein gutes Briefing liefert ihnen deshalb Botschaften und gibt ihnen Halt.

Die Rolle der Führungskraft endet nicht beim Informieren. In einer McKinsey-Befragung von mehr als 1400 Führungskräften aus Integrationsprojekten (Beitrag von 2020) stand Lob und Anerkennung durch die direkte Führungskraft an der Spitze der Bindungshebel, um Mitarbeitende zu halten, noch vor leistungsabhängigen Boni und Lohnerhöhungen.

Wie misst die Geschäftsleitung, ob die Kommunikation ankommt?

Öffnungsraten und Teilnehmerzahlen zeigen, wen Sie erreicht haben. Ob jemand verstanden hat, zeigen sie nicht. Mehr sagen diese Signale:

Taucht eine Frage in der zweiten Woche immer noch oft auf, ist sie nicht beantwortet. Da hilft auch der prominenteste Platz im Intranet nichts.

Welche Fehler sollte die Geschäftsleitung vermeiden?

Vias Digital begleitet Geschäftsleitungen etablierter B2B-Unternehmen in der DACH-Region und in den USA in der Führungs- und Change-Kommunikation. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Change-Kommunikation und zur internen Kommunikation.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Kommunikationsplan für Change-Kommunikation?

Pro Schritt eine Zielgruppe, eine Kernbotschaft, ein Kanal, eine verantwortliche Person und ein Datum. Dazu kommen schriftliche Antworten auf die häufigsten Fragen, ein Briefing für Führungskräfte, ein fester Fragekanal und ein Termin für das nächste Update.

Wann sollten Mitarbeitende von einer Übernahme oder Restrukturierung erfahren?

So früh, wie es rechtlich und vertraglich möglich ist, und in jedem Fall vor oder gleichzeitig mit der Öffentlichkeit. Führungskräfte sollten kurz vor ihren Teams informiert werden, damit sie Fragen beantworten können. Informations- und Konsultationspflichten gegenüber Arbeitnehmervertretungen sind pro Land vorab zu klären.

Wer ist für Change-Kommunikation verantwortlich: HR, Kommunikation oder Geschäftsleitung?

Alle drei, mit klaren Rollen. Die Geschäftsleitung erklärt das Warum und steht sichtbar hinter der Veränderung. Die direkten Führungskräfte besprechen die persönlichen Folgen. HR und Kommunikation planen, liefern die Unterlagen und beantworten Detailfragen.

Was ist bei Change-Kommunikation in mehreren Ländern anders?

Jede Kernbotschaft sollte am selben Tag in allen Unternehmenssprachen erscheinen, damit kein Standort aus zweiter Hand informiert wird. Arbeitsrechtliche Fragen werden pro Land beantwortet, und Besuche der Geschäftsleitung sollten die am stärksten betroffenen Standorte zuerst einschliessen.

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Quellen

  1. The Correlation Between Change Management and Project Success, Prosci
  2. Why Some Communications Work and Others Don't, Prosci
  3. Managers Account for 70% of Variance in Employee Engagement, Gallup
  4. Organizational culture in mergers: Addressing the unseen forces, McKinsey & Company
  5. Talent retention and selection in M&A, McKinsey & Company

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Von Raluca Baciu, Vias Digital, Zürich. Mehr in unseren Insights.

Über die Autorin

Raluca Baciu, Gründerin, Vias Digital

Raluca Baciu ist Gründerin von Vias Digital in Zürich. Sie bringt rund 15 Jahre Kommunikation für komplexe B2B- und Technologieunternehmen mit und verantwortet Führungskommunikation, Marke und PR sowie Marktanalyse für Geschäftsleitungen in der DACH-Region und den USA.

Themen

Change-Kommunikation